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Zeitungsinterview zum Dopinggeständnis von Lance Armstron

geschrieben am 19.01.13 von Harald Betz

Nichts Neues von Armstrong Autor: HARALD BETZ | 19.01.2013

Die Erwartungen von Marcus Büchler hat Lance Armstrong nicht erfüllt. Nach Meinung des Ironman-Triathleten vom AST Süßen hätte sich der Ex-Radstar seine letztlich dünne Doping-Beichte sparen können.

"Letztlich hat Lance Armstrong doch nur das bestätigt, was ihm vorgeworfen wurde und was schon alle wussten. Somit hätte es diesen Auftritt gar nicht gebraucht", fasste Marcus Büchler gestern Abend seine Erkenntnisse nach der umfangreichen Berichterstattung über das im US-Fernsehen ausgestrahlte Doping-Geständnis des einstigen Rad-Superstars Lance Armstrong zusammen.

"Ich habe mir das Geständnis in Auszügen im Fernsehen angesehen, mit Freunden und Trainingskollegen diskutieren wir sowieso immer wieder diese Themen", erklärt Büchler, der als Triathlet mit Profilizenz ständig mit unangemeldeten Besuchen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) rechnen muss - vergangenes Jahr kam er auf fünf Kontrollen. "Da ist man jedes Mal aufgeregt, obwohl man nichts nimmt. Wie muss dann das Gefühl bei denen sein, die dopen und erwischt werden könnten", fragt sich der 32-Jährige immer wieder.

Für eine Aufarbeitung des Betrugs im Radsport hatte Büchler gehofft, dass Lance Armstrong in dieser TV-Inszenierung wirklich auspackt. "Ich dachte, da kommt dann eine Lawine ins Rollen", so der Donzdorfer, "umso enttäuschter bin ich nach den bisherigen Berichten." Dabei glaubte der Ausdauersport-Routinier weniger an verräterische Aussagen über Teamkollegen, sondern eher an Erklärungen zu den Verstrickungen von Armstrong mit den Funktionären des Radsport-Weltverbandes UCI oder zum Kontakt mit Medizinern. Wichtig wäre dem AST-Mitglied auch gewesen, etwas über die Dopingpraktiken und die Abläufe bei der Einnahme der unerlaubten Substanzen, etwa in den Hotelzimmern während der Tour de France, zu erfahren, um den Anti-Doping-Kämpfern verwertbare Hinweise für deren künftige Arbeit zu liefern. Aber, so die nüchterne Erkenntnis Büchlers: "Armstrong packt doch nicht wirklich aus. Man erfährt nicht, wie das System funktionierte."

Dass der US-Amerikaner sich der Doping-Varianten Epo, Kortison, Eigenblut und Wachstumshormone in der Zeit seiner inzwischen aberkannten sieben Tour-Siege bedient hatte, war für Büchler schon bewusst, als der Texaner in späteren Jahren dann den Besten bei der Frankreich-Rundfahrt hinterherpedalierte. "Spätestens da war für mich klar, dass Doping diesen kleinen Prozentsatz an Plus ausmacht, um den anderen davon zu fahren", so Büchler.

Die derzeit geltende lebenslange Sperre für Armstrong für Wettbewerbe in den olympischen Sportarten würde Büchler nach aktuellem Stand nicht aufheben. Sollte Armstrong aber noch wirklich zur Enthüllung des Dopingsystems beitragen, könne er sich eine Verkürzung der Sperre vorstellen, meint der AST-Athlet. Im Moment seien ihm aber die wirklichen Beweggründe Armstrongs für diese TV-Beichte noch nicht endgültig klar. "So reich wie Armstrong ist, kann es doch kaum am Geld liegen, droht ihm noch Stress mit dem Gesetz?" - nicht nur Büchler hat noch Fragen.


Den Zeitungsartikel findet Ihr im Orginal auch auf der Seite der Südwest Presse.




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